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Laufberichte

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05.-07.11.2010

1. Berliner MauerwegTour

Die MauerwegTour 2010 über 174 Kilometer in drei Tagen war der Abschluss meiner diesjährigen Laufsaison. Eine Fokussierung dieses Events fällt schwer; zu vielfältig und überwältigend sind – jetzt zwei Tage später – immer noch meine Eindrücke und Erfahrungen. Ich will trotzdem versuchen, einiges zu vermitteln.

Vielleicht fangen wir ganz vorne an. Der Zeitpunkt passt eigentlich ganz gut und während des Laufes habe ich oft an die Zeit vor 15 Jahren gedacht: damals, als die LLG LAUFSPORT Kevelaer von einer Laufgemeinschaft zum Verein wurde.

MauerwegTour

Vieles aus meiner Erfahrung in der damaligen Laufgemeinschaft hat mich an die Erfahrungen in den Tagen in Berlin erinnert. Wir waren damals eine wirkliche Gemeinschaft. Und jetzt in Berlin hatte ich auch das Gefühl in einer Gemeinschaft gleichgesinnter Individualisten aufgehoben zu sein. Wir waren mit neun Personen angereist: zwei Läuferinnen (Angelika und Andrea), drei Läufer (Peter, Norbert und ich), zwei Fahrradbegleiterinnen (Petra und Jutta) und zwei Begleiter (Mathilde und Guido). Eine große Gruppe, die sehr gute harmonierte. Hinzu kam, dass wir mit dieser großen Gruppe sehr gut in die Gruppe der Teilnehmer aufgenommen wurden. Es gab keine Untergruppen oder „querschlagende“ Individualisten. Alles fügte sich gut zusammen. Dafür sorgte auch der perfekte Rahmen der Veranstalter, der LG Mauerweg Berlin.

MauerwegTour

Nun ist es als anspruchsvoller Läufer nicht einfach, sich in eine Gruppe zu begeben. Das war vor 15 Jahren nicht anders. Die Gruppe zwingt oft zu Anpassungen, die einen stören können. Für mich war vor dem Rennen klar, dass ich diesen Lauf als Wettkampf laufen wollte und diesen Anspruch dem Erlebniswert unterordne. So ging ich die erste Etappe am Freitag über 62 Kilometer von Berlin-Mitte bis Wannsee auch an. Schon äußerlich hatte ich mich von den meisten Mitläufern abgesetzt. Wie immer lief ich in Trikot und kurzer Hose. Auf schweren Ballast, wie Trinkflasche, Power-Gel, Trinkrucksack etc. verzichtete ich. Ein Handy musste ich notgedrungen mitnehmen. Dies war eine Auflage des Veranstalters, damit wir im Notfall abgesichert sind. Und das Road-Book mit der Streckenbeschreibung passte noch so gerade neben zwei Tempotaschentüchern in den Hosenbund.

MauerwegTour

Mit diesem Outfit ging ich sofort in Führung und nach ca. einem Kilometer hatte ich mich schon verlaufen. Ich stand an einer großen Kreuzung. Es war keine Markierung zu erkennen. Die Strecke sollte mit kleinen roten Pfeilen versehen sein. Auf meine Frage an eine Passantin hörte ich nur: „Sie sind im Westen.“ Mittlerweile waren zwei Mitläufer auch schon da: Karl Berndstrotmann und Michael Frenz. „Das fängt ja gut an.“ fluchte Karl. Also zu dritt zurück und am ganzen Teilnehmerfeld der 38 Läufer vorbei. „Das Schicksal der schnellen Hirsche.“ hörte ich Peter beim Überholen ulken. Die nächsten Kilometer in der Dreiergruppe waren sehr zügig, teilweise unter 5 Min. pro Kilometer. Wir jagten durch Berlin an staunenden Passanten vorbei, quer durch den Verkehr, obwohl wir uns an die Straßenverkehrordnung halten sollten. Ich musste eine Entscheidung treffen. Mit dieser Gruppe mitlaufen, alleine laufen, oder mich einer anderen, langsameren Gruppe, anschließen. Ich entschied mich für die erste Version, ohne genau zu wissen, auf was ich mich da einließ. Zunächst war es die richtige Entscheidung, den einige Kilometer weiter hatten wir uns wieder verlaufen. Intuitiv wählen wir die richtige Richtung und mit Michaels GPS konnten wir uns schnell lokalisieren und den richtigen Weg finden.

MauerwegTour

Das Tempo wurde gleichmäßiger und war für mich gut bewältigen. Ich kam jetzt gut in den Lauf rein und wurde immer sicherer. Auf den langen geraden im Süden von Berlin hatten wir teils böigen Wind. Am Verpflegungstand 4 verloren wir Michael. Zunächst habe ich dies gar nicht realisiert; bis an einer Brücke Franz-Ludwig Feddema, ein alter Kevelaerer, der jetzt in Berlin lebt mir zurief: „Du bist Zweiter“. Ich konnte es gar nicht glauben und war überglücklich. Ich fühlte mich gut und hatte Bernd im Blickfeld. Er lief mein Tempo und wurde nicht schneller. An einem Bahnübergang musste er warten und die Bahndurchfahrt abwarten. Ich kam näher ran. Kurze Zeit später hatte er einen Wegweiser übersehen. Ich war kurz dahinter und konnte im „großzügig“ weiterhelfen. Gleich darauf nutze ich die Gelegenheit und blies zum Angriff. Nach meiner Schätzung konnten es nur noch ca. 5 Kilometer bis zum Etappenziel sein. Großzügigkeit und Angriff hatten für Karl fatale Folgen. Er konnte dies nicht sofort einordnen und schon war ich einige Meter weg. Meinen Vorsprung baute ich aus. Die geschätzten 5 Kilometer wurden dann doch noch sehr lang, da der Weg zum Etappenziel an der Jugendherberge Wannsee über einen langgezogenen Anstieg ging und die Jugendherberge erst spät zu erkennen war. Immerhin hatte ich Karl knapp 3 Minuten abgenommen und dem Dritten knapp 8 Minuten. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Damit hatte ich niemals gerechnet.

Als Peter ins Ziel kam erkundigte er sich beim Veranstalter nach der Siegerzeit. Als wir uns trafen fragte er nach meiner Zeit und es dauerte einige Sekunden, bis „bei ihm der Groschen fiel“. „Dann hast Du gewonnen?“ Ebenso ging es mir mit den anderen aus unserer Gruppe. Wer hätte das gedacht? Und dann fand ich sehr schön, dass ich mit meiner Leistung in der Gruppe gut aufgenommen wurde.

MauerwegTour

Nichts lag mir ferner, als mich durch eine gute Leistung aus der Gruppe abzuheben. So war bei der Gründung der LLG und auch jetzt. Ich glaube, wäre ich alleine nach Berlin gefahren, hätte ich diese Leistung nicht gebracht. Die Gemeinschaft in einer Gruppe ist für mich leistungsfördernd. Ich finde es immer sehr schön, wenn wir mit vielen zusammen sind und gemeinsam einen Wettkampf bestreiten. Der erste Tag endete dann mit einer Siegerehrung der Erstplazierten der 1. Etappe und einem Vortrag von einem Historiker der Mauer-Stiftung über die Geschichte am Grenzverlauf der Etappe des 2. Tages.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich gut erholt. Das Wetter war etwas besser geworden. Der Wind hatte nachgelassen. Die Gruppe der Läufer wurde geteilt. Die ersten sechs des ersten Tages starteten eine Stunde später. Also würde ich die anderen aus der LLG beim Überholen sehen. Die 2. Etappe ging von Wannsee nach Henningsdorf über 67 Kilometer. Schon nach wenigen Kilometern waren wir wieder zu Dritt: Karl, Michael und ich. Schon am ersten Verpflegungsposten fiel Michael zurück. Karl und ich liegen wieder gemeinsam vorneweg. Ich fühlte mich sehr stark und erhöhte immer mehr das Tempo. An der Glienicker Brücke hatte ich mich abgesetzt und lief jetzt ganz alleine. Beim dritten Verpflegungsposten trank ich zwei Becher Cola. Erst nach einigen Kilometern merkte ich, dass dies mir nicht bekommen war. Ich vermute, dass die kalte Temperatur der Cola mir nicht bekommen ist. Mir wurde ko…schlecht. Und als ich Angelika mit Petra auf dem Rad überholte hatte mich auch Karl eingeholt. Petra und Angelika schickten uns dann nach einer Unsicherheit über die Strecke in einen Waldweg, der an einem Zaun endete. Uns wurde schnell klar, dass dies falsch sein musste. Also zurück.

MauerwegTour

Ab dem Zeitpunkt, etwa der Hälfte der Strecke, konnte ich mein Tempo nicht mehr halten. Karl lief mir davon und ward bis im Ziel für mich nicht mehr gesehen. In Spandau holte ich Peter ein, der eine Gehpause eingelegt hatte. Ihm ging es auch nicht gut. Eine kurze Zeit liefen wir zusammen. Jutta konnte es gar nicht verstehen, dass ich ihre Cola nicht wollte. Ich wusste dass ich was zu mir nehmen musste, hatte aber gegen Cola mehr als einen Wiederwillen. Am nächsten Verpflegungspunkt gab es Gott sei dank warmen Haferschleim. Das war genau das richtige für meinen Magen. Ich konnte danach zwar mein Tempo nicht mehr erhöhen, aber mir ging es sehr viel besser. Einen weiteren Läufer, Ralf Simon, der dann an diesem Tag Zweiter wurde musste ich noch vorbeiziehen lassen. Im Ziel am ETAP-Hotel in Henningsdorf war ich glücklich, diese lange Etappe als Dritter beendet zu haben. Ich hatte zwar über 20 Minuten auf Karl verloren, war in der Gesamtwertung aber immerhin noch Zweiter mit einem Vorsprung von ca. 35 Minuten auf den Dritten und ca. 45 Minuten auf den Vierten.

Mit diesem Zwischenergebnis stieg die Spannung für den nächsten Tag. Karl und ich übernachteten in einem Zimmer. Selten habe ich in den letzten Jahren solche Anspannung erlebt und ausgehalten. Auch Karl erlebte diesen Zustand. Er hatte große Sorge sich am dritten Tag von Henningsdorf nach Berlin rein in der Stadt zu verlaufen und seinen Vorsprung zu verlieren. Gemeinsam versuchten wir uns in unserem Zimmer zu beruhigen und Schlaf zu finden. Dabei fand ich es sehr schön, wie fair, offen und kameradschaftlich wir miteinander, trotz der Konkurrenz, umgehen konnten.

MauerwegTour

Die letzte Etappe ging über 43 Kilometer, also etwas mehr als ein Marathon. Ich war überrascht wir sehr man sich nach zwei langen Etappen über diese „kurze“ Distanz freuen konnte. Auch stieg bei allen die Freude über das baldige Ende der To(rt)ur. Die erste Gruppe startete diesmal eine halbe Stunde früher und um 8.00 Uhr dann die zweite Gruppe. Somit war sichergestellt, dass der Sieger der Mauerwegtour als Erster in Berlin ins Ziel laufen konnte. Mit 6 Grad war es sehr kalt geworden. Außerdem lag Berlin im Nebel. Natürlich konnte ich bei diesen Temperaturen nicht auf Trikot und kurze Hose verzichten. Nach den ersten Kilometern hatte ich mich auch warm gelaufen und konnte die schöne Heidelandschaft im Berliner Norden genießen. Ich lief alleine. Michael und Karl hatten ein wahnsinniges Tempo vorgelegt. Ich wollte auf jeden Fall den dritten Platz in der Gesamtwertung halten. Mit zunehmender Dauer des Rennens wurde dies immer schwerer. Das Tempo der ersten beiden Etappen hatte doch seine Kraft gekostet. Es lief zwar gut, aber ein höheres Tempo war mir nicht mehr möglich. Ich überholte Angelika, Andrea kämpfte mit ihrem überlasteten Fuß und überraschend alleine. Norbert kam gut voran. Peter konnte ich 6 Kilometer vor dem Ziel einholen. Wir verabredeten gemeinsam ins Ziel zu laufen. Hinter dem Hauptstadtbahnhof überquerten wir die Spree. Diesmal trank ich auch von Juttas Cola. Am Reichstag vorbei gings zum Brandenburger Tor. Dort nahmen wir die Ideallinie ohne die Ampeln. Am Potsdamerplatz wurde es wegen der Sonntagsspaziergänger immer enger. Jutta klingelte uns den Weg frei. Vor Check-Point-Charlie schickte sie uns noch durch eine Baustelle über Kopfsteinpflaster. Das gab unserer Muskulatur den Rest. Der letzte Kilometer war dann feinster Berliner Bürgersteig und so schwebten Peter und ich gemeinsam ins Ziel. Geschafft!!! 2. und 10. Platz in der Gesamtwertung. Norbert 14. Angelika 22. und mit der beeindruckenden Größe einer Ultra-Läuferin, die niemals aufgibt, Andrea als 23.

MauerwegTour

Die Mauerwegtour 2010 war zu Ende. Jedem Teilnehmer wurde eine Mütze dem Logo der Mauerwegtour 2010 und seinem Namen im Ziel überreicht. Nach dem Abschlussessen gab es eine tolle Siegerehrung mit viel Dank an den Veranstalter. Diesem ist es gelungen, Laufen mit deutscher Geschichte und Natur eindrucksvoll zu verbinden.

Für unsere Gruppe war jetzt feiern des Erfolgs angesagt. So scheuten wir nicht den Weg bis zur Kneipe „Die Berliner Republik“, wo das Bier besser schmeckte als die Currywurst. Gut sediert verbrachten wir die letzte Nacht wieder in der „Alten Feuerwache“. Die letzten Stunden bis zur Abfahrt nutzten wir noch für eine kleine Stadtbesichtigung per Fahrrad und einen Besuch im Mauermuseum.

Vieles ist geschrieben, alles kann man nicht schreiben. Manchmal fehlen auch die Worte, um das zu sagen, was man sagen will. Und manchmal ist es auch besser zu schweigen, um sich dem Erleben unserer Grenzüberschreitungen zu nähern. Dieses Erleben macht stark, gibt Größe und Würde und lässt uns neue Läufe, hoffentlich in Gemeinschaft, planen.

Jürgen Metternich

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